Übersetzerin-Glück
Kurz vor der Frankfurter Buchmesse 2026 ereilen mich gerade lauter schöne Nachrichten zu meinen beiden jüngsten Übersetzungen. Im Sommer erschien »Die Straßenbahn ins Leben« und Ende September »Magma«, beide von der italienischen Autorin Tea Ranno.
Die Straßenbahn ins Leben
Das Kinderbuch »Die Straßenbahn ins Leben« erzählt die wahre Geschichte von Emanuele Di Porto, der als Zwölfjähriger 1943 die Razzia der Deutschen im römischen Ghetto überlebte. Er wollte zu seiner Mutter, die bereits auf dem Lastwagen stand, doch sie schubste ihn geistesgegenwärtig von der Ladefläche und jagte ihn davon. Emanuele stieg daraufhin in eine Straßenbahn und fuhr fast drei Tage damit durch Rom. Dabei erlebte er die Hilfe und Solidarität der Straßenbahnmitarbeiter, lauschte den Gesprächen der Fahrgäste, sah Nazis und Faschisten, wie sie nach jüdischen Mensch suchten.
Ich hatte das große Glück und die Ehre Emanuele Di Porto vor einem Jahr, während meiner Arbeit an der Übersetzung, in Rom persönlich kennenzulernen. Der alte Herr, damals 94-jährig, erzählte mir seine Geschichte und zeigte mir die Orte im Ghetto, die für ihn so wichtig gewesen waren. Mit dabei war auch Tea Ranno, die aus Emanueles Erlebnissen einen hoffnungsfrohen Roman gemacht hat, der nun genau ein Jahr später auf der Deutschlandfunk-Liste der Besten 7 Bücher für junge Leserinnen und Leser steht. Was für eine Freude!
In der Zentralbibliothek Hamburgs habe ich »Die Straßenbahn ins Leben« dann in diesen Tagen in der Abteilung für »Top Titel für Kinder« gefunden. Mehr geht fast nicht!
Magma
In »Magma« hingegen hat Tea Ranno ihre eigene Lebens- und Leidensgeschichte mit Endometriose fiktionalisiert. Sie wuchs in den 1970er Jahren in Sizilien auf, und dort hatte man zu jener Zeit kein Verständnis für sogenannte Frauenleiden. Von Ärzten und ihrem Umfeld bekommt sie immer wieder zu hören, dass sie eine zu geringe Schmerztoleranz hätte, dass das alles nicht schlimm wäre, sie sich zusammenreißen solle. Doch Tea leidet, an Bauchschmerzen, an heftig fließendem Blut, am Hund, der sie von innen aufzufressen scheint, am Magma, das in ihr glüht. Eine Untersuchung folgt auf die andere, bis die richtige Diagnose gestellt wird, vergehen Jahre, fast wäre Tea an diesem heimtückischen Leiden gestorben.
Doch abgesehen von der Endometriose erzählt Tea auch von ihrem anstrengenden Jurastudium, ihrer großen Liebe, ihrem Weg zur Schriftstellerin, ihrer In-vitro-Fertilsation und dem Leben mit Zwillingen.
Als ich das Buch das erste Mal auf Italienisch las, war ich so gefesselt (obwohl ich nicht an Endometriose leide), dass ich mich auf die Suche nach einem Verlag gemacht habe und schließlich Maro dafür gewinnen konnte. Danke an den Verlag für diese Möglichkeit!
In der aktuellen Ausgabe von Buchkultur schreibt Anne Aschenbrenner nun dazu: »Sprachlich schlängelt sich das Buch hochexpressiv wie der Schmerz und das Blut durch Körper und Biografie, das immer wieder metaphorisierte Leid dringt auf diese Weise tief in die Leser/innen ein.
Die Übersetzung aus dem Italienischen, dessen Bildhaftigkeit und emotionale Unmittelbarkeit im Deutschen schnell überladen oder kitschig wirken können, ist eine besondere Leistung von Ulrike Schimming.« (Oktober 2026, S. 24)
Wow! Herzlichen Dank für diese Worte!
Ich hoffe für Tea Ranno, dass diese beiden intensiven Bücher nach solchen ersten Reaktionen ganz viele Leser:innen in Deutschland finden.